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Jugend- und Eignungsprüfung vom 27. März bis 2. April 2010 in Farad, Ungarn

Als „Wachtel-Frischling“ wurde mir die Ehre zuteil, diesen Bericht schreiben zu dürfen, was ich natürlich gerne gemacht habe.  Bereits zum 10. Mal hat der Schweizerische Klub für Deutsche Wachtelhunde die Jugend- bzw. Eignungsprüfung mit vorrangigen Übungsmöglichkeiten in Ungarn organisiert. In diesem Jahr fand der Anlass erneut in Farad statt, einem kleinen Städtchen in der Nähe des Plattensees, ca. 100 km von Wien entfernt. Von der Schweiz aus ergibt das dann je nach Wohnort locker 850 km Anreise, eine rechte Stecke, aber alle Teilnehmer inklusive Hunde haben die Hin- und Rückreise ohne grössere Probleme geschafft, wie ich gehört habe.

Ab Freitag trudelten die Teilnehmer im gemütlichen Hotel Panzio ein, Susy Luginbühl hat (einmal mehr) alles perfekt organisiert, besten Dank. Die Teilnehmerliste war international, eine deutsche Hundeführerin, 2 Ungaren- und 10 Schweizer Gespanne haben sich für die Prüfungen eingeschrieben. Der Wachtel ist bekanntlich ein ausgesprochen familiärer Hund und so verwunderte es nicht, dass auch viele  Begleiterinnen mit dabei waren. Das Hotel ist sehr Wachtel-freundlich, mit Fischteich und grosser eingezäunter Wiese, da konnte mal so richtig getobt werden, was sonst in Ungarn nicht immer ganz so einfach ist.

  

Die mitgereisten Damen begleiteten zum Teil ihre „Familie“ beim üben, oder organisierten sich selbständig. Im Hauseigenen Fitnessraum führten die Massageautomaten schon mal zu Lachanfällen, ich war (leider) nicht dabei, aber es muss wirklich lustig gewesen sein. Auch ein Besuch in einem der vielen Thermalbäder gab zum schmunzeln Anlass. Der Standard bezüglich Hygiene entspricht nicht so ganz unseren Richtlinien, die Damen sind aber alle noch gesund und munter.

Der Tagesablauf wurde voll auf die Hundearbeit ausgerichtet, am Morgen früh raus, dann ab ins Revier, am Mittag trifft man sich zum gemeinsamen Picknick, welches jeweils von unseren Begleiterinnen zubereitet wurde. Nach kurzer Siesta ging’s dann nochmals ins Revier, wo weiter gearbeitet wird. Am Abend kommt man (wenigsten ich) schon etwas müde ins Hotel zurück und freut sich auf das Nachtessen, welches fein und immer sehr üppig daherkam.

  

Wie man sieht, hatte es immer genug von allem (ausser vielleicht Schweizer Gewürzen). So gab‘s auch mal einen halben Eisbergsalat, dieser kam vor allem bei uns Männern hervorragend an.

Am ersten Übungsmorgen legte Susy noch einen Natel-Test ein, ihr lieber Hans fuhr mit dem Autoschlüssel im Sack davon, der Test klappte bestens und wir konnten mit etwas Verspätung ebenfalls starten.

Wir arbeiteten jeweils in zwei Gruppen, jede hatte einen einheimischen Jäger als Begleiter, diese standen die ganze Woche zur Verfügung. Josef und Gergely, beide waren bereits letztes Jahr dabei, sprechen recht gut deutsch, wobei Gergely einiges mit den Händen kompensiert und so wurde bei den Übersetzungen viel gelacht, ein Beispiel: Bock rasiert = gefegt, das ist internationale Weidmannssprache.

  
Na, was, oder wer ist hier verdreht? fragen sich unsere Bündner

Das uns zur Verfügung stehende Revier ist mit Hasen hervorragend besetzt, was entsprechend gute Möglichkeiten zum üben ergab. Für die Prüfungen sind dadurch sehr faire Voraussetzungen gegeben. Also wurde zuerst einmal fleissig geübt, die JP Kandidaten hauptsächlich auf der Hasenspur. Die EP’ler arbeiteten in allen Fächern. Das dazu benötigte Wild wurde von den Teilnehmern mittels grenzüberschreitenden Wildtransports angeliefert, vollkommen EU-Konform ;-)).

Das Wetter war anfangs noch sonnig, wobei der Boden durch den starken Wind sehr ausgetrocknet war. Dies erschwerte die Arbeit auf der Hasenspur. Für mich war es faszinierend zu sehen, wie die jungen Hunde, welche zum Teil noch nie einen Hasen gesehen haben, ihre Anlagen zeigen konnten. Es ging von mal zu mal besser und falls nötig wurde auch eine Fährte an der langen Leine ausgearbeitet.

  

Dabei konnten wir von den erfahrenen Begleitern viel lernen und unser Selbstvertrauen für die Prüfung aufbauen. Für die Wasserarbeit standen nebst dem hauseigenen Fischteich zwei kleine Baggerseen zur Verfügung, mit speziellen Bade-Verbotstafeln (offensichtlich sind Afrikaner in Ungarn nicht sehr beliebt).

Waldflächen sind eher dürftig vorhanden, die riesigen Felder sind durch Wassergräben und Hecken unterteilt, was Nieder- und Rehwild ideale Lebensbedingungen ermöglicht. Beim Rehwild bekam so mancher von uns feuchte Augen, Sprünge mit über 30 Stck. sind keine Seltenheit und wer einen Feldstecher dabei hatte erblickte kapitale Böcke.

Das solche Böcke Euros einbringen, ist den Ungaren nicht entgangen, Gergely erzählte uns, dass Kitze eingesammelt und im eigenen Garten aufgezogen werden, durch die „angereicherte“ Mast, entstehen abnorme und entsprechend grosse Geweihbildungen, die drei bis vierjährigen Böcke werden quasi vor dem Garten zum Abschuss angeboten, das Geschäft soll florieren, oder war das nur ein Aprilscherz?

Dass man nicht im Überfluss lebt, sieht man leider überall. Viele schöne Häuser sind völlig verkommen und auch in der Landwirtschaft ist man teilweise weit im letzten Jahrhundert stehen geblieben.

  
Ungarischer 2 PS und Hightech Hürlimann

Ab Donnerstag ging es dann los mit den Prüfungen, zuerst die EP’s anschliessend die JP’s, die Prüfungsberichte werden separat beschrieben und sind auch in dieser Wachtelzeitung veröffentlicht. Am Morgen trauten wir unseren Augen nicht, es regnete in Strömen, Temperatur unter Null, die Autoscheiben gefroren. Nicht gerade ideale Bedingungen dachten wir, glücklicherweise hörte der Regen aber bald wieder auf. Als Folge davon wurde das Autofahren auf den schmierigen Feldwegen zu einer lustigen Sache, wie das Foto hoffentlich zeigt.

  

Ich kann euch bestätigen, dass die Fahrspuren wirklich nicht vom Vorabend  mit etwas gar viel Alkoholgenuss stammen. Aber es soll schon mal Teilnehmer gegeben haben, welche am Morgen froh waren, dass sie genügend frisches Wasser für den Hund mitgenommen haben und es für beide gereicht hat.

Für eine Prüfung braucht es bekanntlich auch Richter. Hier konnte eine internationale Gruppe rekrutiert werden. Mit Armin Kindle konnte eine Wachtel-Ikone „verpflichtet“ werden. Glücklicherweise wollte Heike mit ihrem Vulkan, einem Hund aus Armins Zucht die Jugendprüfung absolvieren und so reisten sie gemeinsam an. Vom enormen Wissen von Armin hat sicher jeder Teilnehmer profitiert. Bereits an den Vorbereitungstagen und auch bei der Formbewertung aller Hunde, welche er vorgenommen hat.

  
Kritische Blicke, oder hat nur die Sonne geblendet?

Es ist ja nicht selbstverständlich, dass jemand eine Woche Ferien nimmt. Die Luginbühl’s, Tony Schmidiger und Dominik von Ah haben sich nicht nur als Richter zur Verfügung gestellt, sie haben auch alle Kandidaten während der ganzen Woche unterstützt, vielen Dank. Dasselbe gilt natürlich auch dem ungarischen Richter Aladar Varga und Karl Subosits, er hat das schöne Revier vermittelt und sich erneut als Richter und Dolmetscher zur Verfügung gestellt.
Den Abschluss bildete das Absenden, Susy bedankte sich bei allen Teilnehmern und Begleitern für die schöne und vor allem unfallfreie Zeit. Die Prüfungsergebnisse wurden bekannt gegeben und die stolzen Sieger konnten ihre Preise entgegen nehmen. Ganz besonders stolz konnte sie dabei auf Enkelin Martina sein, welche eine Dorschnei - Hündin zum 2. Preis führte. Der Besitzer konnte den Hund nicht selber führen, da er sich kurz vor der Prüfung an der Schulter verletzt hatte, Martina hat das toll gemacht. Da scheint für Nachwuchs gesorgt zu sein und den kann man ja bekanntlich überall brauchen.

  

Armin Kindle meldete sich auch noch zu Wort und lobte die Schweizer Wachtelfreunde für ihr Engagement, ein solches „Trainingslager“ mit abschliessender Prüfung sei aus seiner Sicht einzigartig.
Dank gebührt auch Marietta und Ruth, die zwei Hauptorganisatorinnen des traditionellen Mittags-Picknicks, welches sie mit viel Liebe bereitgestellt haben. Wir haben uns alle sehr wohlgefühlt und diese Tage in Ungarn mit unseren Begleitern (zwei- und vierbeinige) genossen, diesen Anlass kann man nur weiterempfehlen.

 

Mit Wachtelgruss, Erhard Heiniger